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Thursday, April 12, 2012

Die Keule oder Das Verdikt "Antisemitismus" ist geläufig


Nicht ganz zehn Jahre ist es her, da erklärte die Friedensaktivistin, Autorin und Ex-Erziehungsministerin Israels Shulamit Aloni, was die Antisemitismuskeule ist, in den USA sowie in Europa, je nachdem.



Der kurze Ausschnitt aus einem Interview mit Amy Goodman (der Frontfrau von Democracy Now!) fehlt - wenig überraschend - im deutschen Wikipedia Eintrag, während er im englischsprachigen vorhanden ist:

Goodman: Yours is a voice of criticism we don't often hear in the United States. Often when there is dissent expressed in the United States against policies of the Israeli government, people here are called anti-semitic. What is your response to that as an Israeli Jew?


Aloni: Well, it's a trick, we always use it. When from Europe somebody is criticizing Israel, then we bring up the Holocaust. When in this country people are criticizing Israel, then they are anti-Semitic. And the organization is strong, and has a lot of money, and the ties between Israel and the American Jewish establishment are very strong and they are strong in this country, as you know. And they have power, which is OK. They are talented people and they have power and money, and the media and other things, and their attitude is "Israel, my country right or wrong", identification. And they are not ready to hear criticism. And it's very easy to blame people who criticize certain acts of the Israeli government as anti-Semitic, and to bring up the Holocaust, and the suffering of the Jewish people, and that is justify everything we do to the Palestinians.

Nun, 10 Jahre danach, wurde die deutsche Öffentlichkeit wieder einmal Zeuge der großzügigen Anwendung dieser rustikalen wie einfachen aber auch äußerst erfolgreichen Methode, als der deutsche Schriftsteller Günther Grass letzte Woche ein Gedicht veröffentlichte, in dem er das Land Israel kritisierte (er hätte vielmehr verschiedene Regierungen Israels kritisieren sollen, denn Israel besteht ja nun wirklich nicht nur aus Kriegstreibern, ganz im Gegenteil). Logisch gesprochen ist die Keule ein argumentum ad hominem (also überhaupt kein Argument), praktisch gesehen ein Totschlagargument oder killer phrase. Und wie die Keule da niedersauste auf das Haupt des deutschen Nobelpreisträgers für Literatur! Grass hatte sie aber schon  im Gedicht selbst vorausgeschickt: "das Verdikt "Antisemitismus" ist geläufig." 



Saturday, December 24, 2011

Bethlehem - In Memoriam Christopher Hitchens


Uninteressant oder gar langweilig war Christopher Hitchens nie. Der Mann, der freiwillig die Waterboarding Foltermethode auf sich nahm, um aus erster Hand berichten zu können, verstarb am 15. Dezember. Vielen Lesern seines kurzweiligen Der Herr ist kein Hirte: Wie Religion die Welt vergiftet blieb seltsamerweise besonders diejenige Antwort in Erinnerung, die der überzeugte Atheist dem christlichen Radiomoderator Dennis Prager  auf die folgende Frage gab: "Ich solle mir vorstellen, ich befinde mich in einer mir fremden Stadt, und die Nacht breche herein. Ich sähe mehrere Männer auf mich zukommen. Würde ich mich sicherer fühlen oder weniger sicher, wenn ich wüsste, dass sie gerade aus einer Gebetsversammlung kämen?"
Passend zur Adventszeit sollen hier die sechs kurzen Stadteportraits zitiert werden, die Hitchens zum Besten gab, um die Frage wiederum "aus erster Hand" zu beantworten, wobei er sich nur auf die Städte mit Anfangsbuchstaben 'B' beschränkten wollte. Bethlehem darf hier am heutigen Tage natürlich nicht fehlen:


Christopher Hitchens (1949-2011)


"In Bethlehem, das gestehe ich Mr. Prager gern zu, würde ich mich an einem guten Tag in der Abenddämmerung vor der Geburtskirche durchaus sicher fühlen. In der unweit von Jerusalem gelegenen Stadt bekam Gott, so glauben es viele, in Zusammenarbeit mit einer unbefleckten Jungfrau einen Sohn. »Die Geburt Christi war aber also getan. Als Maria, seine Mutter, dem Joseph vertraut war, fand sich's, ehe er sie heimholte, dass sie schwanger war von dem heiligen Geist.« Ja, und der griechische Halbgott Perseus wurde geboren, nachdem Zeus die Jungfrau Danae in Gestalt eines Goldregens besucht und geschwängert hatte. Buddha kam durch eine Öffnung in der Hüfte seiner Mutter zur Welt. Der Aztekengott Huitzilopochtli wurde geboren, nachdem seine Mutter Coatlicue, »die mit dem Schlangenrock«, einen kleinen Daunenfederball aus dem Himmel empfangen hatte. Die Jungfrau Nana pflückte die Frucht eines Mandelbaums, der aus dem Blut des erschlagenen Urwesens Agdistis aufgegangen war, legte sie sich in den Schoß und gebar den Gott Attis. Die jungfräuliche Tochter eines Mongolenkönigs erwachte eines Nachts von einem grellen Licht, das sie umgab, und gebar den Dschingis Khan. Krishna wurde von der Jungfrau Devaki geboren, Horus von der Jungfrau Isis. Die Jungfrau Maia gebar Hermes, die Jungfrau Rhea Silvia Romulus. Aus irgendeinem Grund betrachten viele Religionen den Geburtskanal zwanghaft als Einbahnstraße, und sogar der Koran bringt der Jungfrau Maria Verehrung entgegen. Als die päpstliche Armee zu den Kreuzzügen ausrückte, um Bethlehem und Jerusalem zurückzuerobern, machte das allerdings keinen Unterschied: Die Truppen zerstörten nebenbei jüdische Gemeinden, plünderten unterwegs das ketzerische christliche Byzanz und richteten in den engen Gassen von Jerusalem ein Massaker an, von dem hysterische Chronisten hämisch berichteten, dass das Blut den Pferden bis zum Zaumzeug stand. Zwar droht stets neue Gefahr, doch diese Ausbrüche des Hasses, der Bigotterie und der Blutgier sind vorüber, und man kann sich mittlerweile relativ sicher fühlen auf und um den Krippenplatz. Dieser Platz bildet, wie der Namebereits andeutet, das Zentrum einer Touristenfalle, die mit ihrer Geschmacklosigkeit selbst Lourdes in den Schatten stellt. Als ich die erbärmliche Stadt zum ersten Mal besuchte, unterstand sie nominell der Kontrolle einer überwiegend christlich-palästinensischen Gemeindeverwaltung, die vor allem von der politischen Dynastie der Familie Freji beherrscht wurde. Bei jedem meiner nachfolgenden Besuche stand die Stadt gerade unter einer rigiden Ausgangssperre, die vom israelischen Militär verhängt worden war – dessen Präsenz an der West Bank wiederum in gewissem Zusammenhang steht mit dem Glauben an biblische Prophezeiungen, diesmal allerdings einem Versprechen, das ein anderer Gott einem anderen Volk gegeben hatte. Und hier kommt noch eine andere Religion ins Spiel. Die Streitkräfte der Hamas, die ganz Palästina als islamischen Waaf, also als ihr rechtmäßiges Land, fordern, haben bereits mit der Vertreibung der Christen aus Bethlehem begonnen. Ihr Führer Mahmud al-Sahar hat verkündet, dass alle Bewohner des Islamischen Staates Palästina dem muslimischen Gesetz unterstehen werden. In Bethlehem wird nun angeregt, Nichtmuslime der Jiziya zu unterwerfen, einer historischen Kopfsteuer, die im alten osmanischen Reich den Dhimmis oder Ungläubigen auferlegt wurde. Weibliche Verwaltungsangestellte dürften männliche Besucher nicht mehr mit Handschlag begrüßen. In Gaza wurde im April 2005 die junge Frau Jusra al-Asami erschossen, weil sie verbotenerweise unbeaufsichtigt mit ihrem Verlobten im Auto gesessen hatte. Der junge Mann kam mit einer Tracht Prügel davon. Die »Tugendpolizisten« der Hamas-Führung rechtfertigten den Mord an der Frau und die Misshandlung des Mannes mit »dem Verdacht auf unmoralisches Verhalten«. Im einst säkularen Palästina spionieren nun Banden sexuell frustrierter junger Männer geparkte Autos aus und haben die Erlaubnis, nach Gutdünken zu handeln. In New York hörte ich einmal eine Rede des mittlerweile verstorbenen Abba Eban. Der eloquente und bedachte israelische Diplomat sagte, am israelisch-palästinensischen Streit falle als Erstes ins Auge, wie leicht er zu lösen sei. Von dieser faszinierenden Feststellung ausgehend, führte er mit der Autorität des ehemaligen Außenministers und UN- Vertreters aus, es gehe ja um eine sehr einfache Sache: Zwei etwa gleich große Völker beanspruchten das gleiche Land. Die Lösung bestehe offensichtlich darin, zwei getrennte Staaten zu bilden. Das sei doch klar und müsse jedem einleuchten? Und genau das wäre auch schon Jahrzehnte zuvor geschehen, wenn man die messianischen Rabbis, Mullahs und Priester aus der Sache herausgehalten hätte. Doch jüdische und muslimische Geistliche hätten lautstark Exklusivansprüche auf eine gottgegebene Macht erhoben, und Christen in Endzeitstimmung hätten in Erwartung der Apokalypse – welcher der Tod oder die Bekehrung sämtlicher Juden vorausgehen sollte – die Diskussion weiterangeheizt. So sei eine unerträgliche Situation entstanden, und die gesamte Menschheit sei zur Geisel eines Konflikts geworden, in dem nun sogar ein Atomkrieg droht. Die Religion vergiftet alles. Sie gefährdet nicht nur die Zivilisation, sondern auch das Überleben der Menschheit."
Heyne, München, 2009, Kapitel 2, S. 30-42. 





Wednesday, October 12, 2011

Cheap As War Propaganda Might Be


When FBI Director Robert Mueller mentioned that the alleged plotting to murder Saudi Arabia’s ambassador to the United States "reads like the pages of a Hollywood script", he was right. It does. We remember all the dumb Hollywood fabrications illustrating "the Arabs" as devious Bedouin bandits, nervous pistols waiving around gangsters and weapon dealers, secret sleeper cells in the cosy American-Dream neighborhood and sinister sheikhs sponsoring blood-thirsty unshaved fanatic dark-skinned Muslim terrorists (see examples in the below video). Iranians are not Arabs? So what!

This time, the ludicrous Hollywood script brings us additional features like the ominous Quds Force trying to export Iran's Islamic revolution to American soil, collaborating with the most powerful Mexican drug cartel "Los Zetas" by drowning the last remaining - peace spreading - superpower of the world into a sea of opium smuggled from the Middle-East through Mexico. C'mon - you can't be serious!

War propaganda was never so cheap since Colin Powell's lying before the UN General Assembly and Dick Cheney's fabulous 1% rule.

Any evidence presented to the public? No. What for? Any reasonable motive to assassinate the Saudi ambassador in the US? Ah, yes, the Islamic Revolution. Well, c'mon! A more realistic view of the Mullah regime in Iran would be that of Corporate Iran (much like the US). The Mullahs are more rich business men than anything else.

The reason why Mueller described this tale as "reads like the pages of a Hollywood script" was probably because he felt embarrassed by being forced from higher level officials to announce such 1%-nonsense against any rationality.

On the other side - how ridiculous this recent war propaganda may sound to thinking people - the threat of another US-war in the Middle-East region may be real, this time with Israelis participating or - as some bloggers suggest - under their direction. Why? Because of "the uncertainties and dangers of the Arab Spring" for Israel. (Remember Chomsky: "The U.S. and its allies will do anything they can to prevent authentic democracy in the Arab world.")


Tuesday, June 21, 2011

Für's Protokoll (For the Record)

„Die drei zentralen Ziele der USA definierte deren obersters militärisches Gremium, der Generalstab, in einem Memorandum 1978 folgendermaßen:
1. Den kontinuierlichen Zugang zu den Ölresourcen gewährleisten.
2. Eine feindliche Macht oder eine Kombination von Mächten von der Etablierung einer Hegemonie abhalten.
3. Das Überleben Israels als unabhängiger Staat in einer stabilen Beziehung mit den arabischen Nachbarn sicherstellen.
Diese Ziele gelten bis heute.“


Bierling, Stefan
[2010] Geschichte des Irakkriegs. Der Sturz Saddams und Amerikas Albtraum im Mittleren Osten. C.H. Beck, München, 2010.

Bierling zitiert aus Guardians of the Gulf: A History of America's Expanding Role in the Persion Gulf, 1833-1992 (p.102f)


"On September 7, 1978, the JCS approved „The Review of  US Strategy Related to the Middle East and the Persian Gulf“ and that same day forwarded it to Secretary of Defense Brown. This ducument highlighted three major American interests in the region.
1. To assure continuous access to petroleum resources.
2. To prevent an inimical power or combination of powers from establishing hegemony.
3. To assure the survival of Israel as an independent state in a stable relationship with contiguous Arab states."

Thursday, June 2, 2011

Maddening Chutzpah


Netanyahu's speech before the congress of the United States of America, May 20, 2011:
one of the remarkable paragraphs - in a show chock-full of remarkable paragraphs and fine print - was the following:

Courageous Arab protesters, are now struggling to secure these very same rights for their peoples, for their societies. We’re proud that over one million Arab citizens of Israel have been enjoying these rights for decades. Of the 300 million Arabs in the Middle East and North Africa, only Israel’s Arab citizens enjoy real democratic rights. I want you to stop for a second and think about that. Of those 300 million Arabs, less than one-half of one-percent are truly free, and they’re all citizens of Israel!

Apart from the reluctance of the Israeli Gouvernement towards the Egypt uprising,
apart from the real situation of the Israeli-Arab population in the apartheid state,
isn't it somehow very confusing that Netanyahu tells the congress that all the Arabs living in states which the democracy-spreading US usually call their „friends and allies“ are not enjoying „real democratic rights“, like Saudia Arabia, Kuweit, Algeria, Jordan, smaller gulf states or formerly Tunesia and Egypt? That amounts to the paraphrase: "Look folks, under our hegemony the Arabs are truly free since decades, under your hegemony they are not. Think about it for a minute! 
And those congress people applaude like crazy …





All in all, a spooky show at Capitol Hill. Uri Avnery, founder of the Gush Shalom movement, commented about the disgusting (Avnery) event:

"Es war schlimmer als im syrischen Parlament während einer Rede von Bashar Assad, wo jeder, der nicht applaudierte, sich im Gefängnis wiederfindet. Oder in Stalins Oberstem Sowjet: wenn man nicht genügend Respekt zeigte, konnte das den Tod bedeuten." (taken from zmag)
("It was worse than in Syrian parliament during a speech of Bashar Assad: everyone not applauding found himself thrown into jail. The same with Stalin's Supreme Soviet: you could be killed if you didn't show enough respect.") [translation by base2014]
Another Israeli, Gideon Levy for Haaretz: Netanyahu's speech to Congress shows America will buy anything

„the only truth spoken in the Capitol was that of a former Israeli shouting "equal rights for Palestinians"“ 


Listen to the other side: here are the comments by Mustafa Barghouti, secretary general of the Palestinian National Initiative in an interview on http://www.democracynow.org/