Showing posts with label Quotes. Show all posts
Showing posts with label Quotes. Show all posts

Sunday, November 13, 2011

Das ungenutzte Mehr-Augen-Prinzip in der Politik


"Obwohl ihnen wichtige Tatsachen oft nur in beschränktem Maße zugänglich sind, so sind doch die einfachen Leute oft weiser als die Regierungen, und wenn nicht weiser, so doch oft von besseren und großherzigeren Intentionen geleitet." Karl Popper 1954 in "Die öffentliche Meinung im Lichte der Grundsätze des Liberalismus" in Popper [2009, S. 166]

Wenn da nicht so viele Gegenbeispiele wären, wie die vom Nationalsozialismus verhetzten Deutschen und Österreicher, oder die von ihren jeweiligen Regierungen getäuschten Mehrheiten amerikanischer Bürger, die bei Umfragen für die nächste Invasion votierten. Aber davon sollte man sich nicht täuschen zu lassen.

Sicher läßt sich jede Bevölkerung unter gewissen Umständen zu dummem und irrationalem Verhalten verleiten. Eine der beiden Bedingungen, die sicher am häufigsten "die einfachen Leute" fehlleiten, sind Unwissenheit und Angst. Unwissenheit wird im Eingangszitat von Popper auch als einschränkender Faktor erwähnt.

Instrumentalisierte Geheimhaltung, ideologisch gefärbte Desinformation, alle Arten von Beschränkungen der Meinungsfreiheit und Unterbindung oder Marginalisierung der Entwicklung einer rationalen öffentlichen Diskussion führen zu Unwissenheit, die Fehleinschätzungen in der Bevölkerung bedingt. Ökonomische Programme (IWF), die den Sparstift zuerst einmal bei der Bildung  ansetzen, gehen aber genau in die falsche Richtung. 
Angst: Bei einer Bevölkerung unter zu starkem ökonomischen und sozialen Druck läßt sich die schrägste Politik durchsetzen (z.B. Deutschland nach dem Versailler Vertrag). Schaffe einen inneren und äußeren Feind (Kommunismus, Islam, Terrorismus), dann lassen sich mit Hilfe der durch die Medien verbreiteten Angst Bürgerrechte relativ problemlos beschneiden (z.B. verstärkte Überwachung der Bürger).

Vorausgesetzt, daß diese beiden Bedingungen - Unwissenheit und Angst - in einer Bevölkerung NICHT vorherrschen, spricht einiges dafür, daß sie als Kollektiv gute Lösungen für politische Probleme von schlechten unterscheiden kann. Als Stützung dieser These kann man das Mehr-Augen-Prinzip anführen. 


a) Zur Beurteilung von politischen Problemlösungen:
Obgleich nur wenige eine politische Konzeption entwerfen und durchführen können, so sind wir doch alle fähig, sie zu beurteilen. (Perikles von Athen, ca. 430 v. Chr.).

Den meisten Leuten aus der Privatwirtschaft ist das Vier-Augen-Prinzip bestens bekannt. Es wird immer dann angewandt, wenn es darum geht, das Risiko von Fehlern zu minimieren. Man verläßt sich auf die alte Weisheit, daß vier Augen "mehr sehen" als zwei, oder sechs mehr als vier. Dieses empirisch erprobte Verfahren findet man beinahe in allen Bereichen, von der industriellen Produktion bishin zum Korrekturlesen bei Verlagen. Es dient der Qualitätskontrolle. Auch in der Wissenschaft ist das Verfahren der gegenseitigen kritischen Prüfung ein unabdingbarer, integraler Bestandteil.

In der Politik verläßt man sich allerdings noch immer auf die Augen der Wenigen, die, weil sie meistens derselben Partei oder demselben "Beraterstab" angehören, auch noch jeweils auf einem Auge mit ideologischer Blindheit geschlagen sind. Schon die Selektion der "Experten" beruht meist ausschließlich auf esprit de corps. Dadurch wird die Qualitätskontrolle politischer Entscheidungen mehr oder weniger unterbunden. Wenn Fantasie und der Mut zu interessanten Lösungen vollends verlorengegangen sind, stehen am Ende nur noch TINA-Entscheidungen ("there is no alternative"). Im Gegensatz zur Politik käme kein Wissenschaftler auf die Idee seinen Lösungsvorschlag ausschließlich von seinen Freunden begutachten zu lassen. Hier liegt ein system-immanentes Problem von Parteiendemokratien vor. Die Wissenschaft hingegen lebt in dieser Hinsicht vom Mehr-Augen-Prinzip.

Vorausgesetzt wird hierbei natürlich, daß diejenigen, die überprüfen, dazu tatsächlich auch in der Lage sind. Übertriebene Anforderungen sind dabei aber fehl am Platz. Ein Software Tester etwa braucht keineswegs programmieren zu können. Tatsächlich beherrschen viele Software Tester keine einzige Programmiersprache. Obwohl gewisse technische Fertigkeiten für ihn sicher nicht von Nachteil sind, haben andere Kriterien für den Tester höheren Stellenwert, z.B. das richtige Verständnis der Logik von Testprozeduren, Erfahrung im Umgang mit Spezifikationen oder eventuell mathematisch-statistische Kenntnisse. Es gibt keinen Grund anzunehmen, warum die Anwendung des Mehr-Augen-Prinzips bei Vorlage von politischen Gesetzesentwürfen nicht erfolgreich anwendbar sein sollte. An der Komplexität von Rechtssystemen sollte dies nicht scheitern müssen. Wenn "einfache" Staatsbürger Gesetze nicht mehr verstehen bzw. beurteilen könnten, dann müsste entweder das Gesetz vereinfacht oder den Bürgern schon im Schulsystem politische Bildung bzw. ein Minimum an juristischem Wissen nähergebracht werden (was ohnehin nötig wäre). 


b) Zum Auffinden politischer Lösungen:
Selbst das Heranziehen einer Masse von Menschen zur Lösung eines Rätsels wird in Zukunft immer häufiger zur Anwendung kommen, wie etwa bei Solve Puzzles for Science oder wenn das FBI bei der der Dechiffrierung eines Geheimcodes sich um Hilfe bittend nach außen wendet). Warum sollte man solche Verfahren prinzipiell nicht auch auf politische Probleme anwenden können? Man könnte bei einem gegebenen politischen Problem so vorgehen: 1) man stellt eine Liste von wertneutralen Definitionen aller relevanten Ausdrücke, die notwendig sind um das Problem präzise zu beschreiben,  zur Verfügung; 2) man stellt eine Liste von Fakten (Statistiken, Tatsachenberichten, gesetzliche Vorschriften) zusammen, die möglicherweise zur Lösung des Problems notwendig oder nützlich sind; 3) man erstellt eine Liste von Desiderata, d.h. von Wünschen bzw. Bedingungen, welche die Lösung genügen soll (von welcher Seite auch immer); 4) man definiert, in welcher Form die Lösung angegeben werden soll, z.B. in Form einer Liste von Schritten (ähnlich wie bei einem Kochrezept oder einem Projektplan); 5) man wählt eine geeignete Plattform, die die Darstellung solcher Lösungsverfahren samt Begründung ermöglicht und offen Kritik zuläßt, einschließlich einer Bewertungsskala. Möge sich die beste Lösung durchsetzen!
Man kann Foren und Kommentarseiten zu Artikeln von Online-Zeitungen als eine ungerichtete Urform eines solchen Verfahrens betrachten.


Man könnte in Frage stellen, ob Millionen von Augen tatsächlich zu besseren Lösungen kommen, als die Geschulten, die "Experten", welche die Regierung bilden oder in ihrem Gefolge als sog. "Berater" dienen. Sehen vier Augen immer tatsächlich mehr als zwei, oder sechs mehr als vier? Sicher nicht. Rein logisch betrachtet ist die Anzahl der Köpfe nicht entscheidend. Aber die empirische Erfahrung in vielen verschiedenen Bereichen macht diese Technik der Risikovermeidung so wertvoll. Gibt es vielleicht eine Schranke, ab der nichts mehr zusätzlich geht? (Gibt es eine ungefähre, durchschnittliche prozentuelle Zahl, ab der zusätzliche Lösungssuchende keinen nennenswerten Beitrag mehr leisten werden?) Kommt auf das Problem an. Bei vielen politischen Problemen dürfte das eher nicht der Fall sein. Einen kleinen aber möglicherweise entscheidenden Fehler zu finden wäre schon ein Fortschritt.

Wenn man realistischerweise davon ausgeht, daß für jedes Mitglied eines Parlaments (samt seines Beraterstabes), das die Güte einer politischen Lösung beurteilen oder eine solche zu einem gegebenen Problem finden soll, mindestens ein Privatmensch (griech.: ἰδιότης, Idiot) existiert, der das ebenso gut kann, dann bleiben noch immer Tausende, Millionen, die das womöglich noch besser können bzw. einen wichtigen Beitrag leisten würden. "Experten" (echte und unechte) findet man überall. Vielleicht zählt ja Ihr eigener Steuerberater zu jenen, die eine adäquate Antwort auf die letzte Finanzkrise hätten. Das Ankreuzen von vorselektierten Ja-Nein Möglichkeiten bei Wahlen trägt dem Mehr-Augen-Prinzip und damit einer demokratischen Qualitätskontrolle jedenfalls kaum Rechnung.







Wednesday, November 2, 2011

Correct, Mr. Assange!

Today, Wikileaks founder Assange lost his extradition fight in London in the first round. Details to this dubious case can be found on Sweden Vs. Assange. Let's return to what the man stands for. Two remarks really touching a nerve made by Julian Assange in an RT-Interview, published on May 2nd, 2011

WikiLeaks Logo

Mr. Assange makes clear what he thinks of mass media infotainment production and their involvement and participation in war preparations. His bad experiences with the so-called fourth estate are clearly first hand, after the disappointing collaboration with mass-media proponents like The Guardian, The Independent, The New York Times and German Spiegel. Challenging the powerful has brought him and Wikileaks a witch-hunt orchestrated by the US and the blockade of WikiLeaks bank accounts by Visa, Mastercard and Paypal:*
"Our No. 1 enemy is ignorance. And I believe that is the No. 1 enemy for everyone – it’s not understanding what actually is going on in the world. It's only when you start to understand that you can make effective decisions and effective plans. Now, the question is, who is promoting ignorance? Well, those organizations that try to keep things secret, and those organizations which distort true information to make it false or misrepresentative. In this latter category, it is bad media.

It really is my opinion that media in general are so bad that we have to question whether the world wouldn't be better off without them altogether. They are so distortive to how the world actually is that the result is… we see wars, and we see corrupt governments continue on.

One of the hopeful things that I’ve discovered is that nearly every war that has started in the past 50 years has been a result of media lies. The media could've stopped it if they had searched deep enough; if they hadn't reprinted government propaganda they could've stopped it. But what does that mean? Well, that means that basically populations don't like wars, and populations have to be fooled into wars. Populations don't willingly, with open eyes, go into a war. So if we have a good media environment, then we also have a peaceful environment."

These are really questions worth to be considered. Of what use for the public are the mass-media, given the fact that selling information is done under the maximizing profit strategy of international corporations whose linkages to governments and other interest groups are highly dubious? And what are the alternatives? 

The internet is the most interesting stage where you can compare the opinions (and there are almost only opinions) published by the mass media with the opinions of the rest of the world. These two types are extremely diverging. One world of opinion seems to be publishing without investigations what governments, press agencies and others let out, and the other (mostly normal citizens but with common sense) wondering about the inconsistencies and absurdities of these published opinions. Warmongering is always a good example, another would be the half-religious beliefs of economy. The lies you get there are literally unbelievable but nevertheless repeated by the infotainment ad nauseam. On the other side, one should note that the rest of the world does not seem to let that go unchallenged. Most remarkable are some online newspapers having a mostly well-educated and critical readership (e.g. Austrian Der Standard): the articles and authors often being between average and ridiculous are court-martialled and shot by the readers in hundreds of comments in a most entertaining and often enlightening manner. The discrepancies between these two worlds becoming manifest more and more and in such a constant manner that it's really getting spooky.


The second thing Mr. Assange commented quite adequately is the role of the US in regard to international law.
"Obama has given up on closing Guantanamo and has decided to re-open the trial process. And we now have a situation where even the Obama administration says that 48 of those people still in Guantanamo are completely innocent and they should be sent somewhere, and they are not being sent anywhere. So, completely innocent people are incarcerated for years and years and years with no trial and no hope of relief. No country would agree to house them, including the United States. But the United States has made them its problem.

The United States was involved in rounding up these innocent people, setting up a process that was from the very beginning corrupt. There is a reason why they are in Guantanamo and not on the US mainland and not in an allied country. And that reason was to hide them and to keep them outside of the law. Just like you have Caribbean islands engaged in money laundering, the United States is engaged in people laundering."

Did you ever wonder about the US hegemon being called world's policeman? That's clearly a totally inappropriate euphemism: a policeman is supposed to execute law and to act according to law, but the US are trying to circumvent law whenever they can. So Outlaw seems to be fitting well.


Friday, September 16, 2011

Christians Without the God Hypothesis


Master, which is the greatest commandment in the law? Jesus said to him: Thou shalt love the Lord thy God with thy whole heart, and with thy whole soul, and with thy whole mind. This is the greatest and the first commandment. And the second is like to this: Thou shalt love thy neighbour as thyself. On these two commandments dependeth the whole law and the prophets.

Mt 22, 36-40

As certainly well known by a few, the master in the biblical New Testament answered the question for the most important moral norm rather ambiguously by giving a numbering and an identification.The commandment of God gets the first place; second, the commandment of love; on the other hand, the latter is the same as the further, hence ex aequo first place?
In the writings of Marc (10, 17) and Luke (10,25 – 28) this is read differently, already the question being different. With John, this passage of the quintessence of Christianity cannot even be found anymore. Still, it can give you an interesting idea of a Christian belief without the God hypothesis.

A vast number of interpretations may arise here. Let's mention only two – ignoring for the moment any clarification of 'love thy neighbor'.


a) The numbering hints to a priorization of the love for God: to love God is more important than to love thy neighbor (well known from experience with Christians). In addition, it's in principle enough for Christianity to assume both mentioned norms. The rest of the essential norms may be – with the help of a considerably large number of additional premises – logically deducible from those two: „On these two commandments (logically) depends the whole law and the prophets“.

b) Suppose you take the identification of both commandments seriously – in the sense of a logical equivalence – without priorization – what happens then? Note that a logical equivalence of two propositions A↔B implies the equivalence of the corresponding norms O(A) ↔ O(B)*. That is, if someone thinks that (A) loving thy neighbor as thyself means the same as (or is equivalent to) (B) loving God with thy whole heart, then he would rationally accept also the consequence that the corresponding commandments come to the same thing. This in turn would have far reaching consequences. Because, whatever a person would think of the existence of gods, by or through the love of his neighbors, he would love God (and vice versa).** Other passages in the New Testament hint at the same, e.g. Mt 25:40 where loving your neighbor somehow is secretly transferred to the Son of Man and constitutes a sufficient qualification for the acceptance in Christian heaven.

Rosa Charles Darwin, from mcgardens.org


Would the world have developed in a more favorable manner if Christians had not resorted so stubbornly to the existence of a creator God; if the quintessence of Christianity would have been read diffenrently? (At least we would have possibly been spared the Intelligent Design theory.)





* 'O' usually designates the operator 'it ought to be that …'; let 'A' be an abbreviation for some sentence describing an action: then the expression 'O(A)' is understood as saying 'it ought to that A'.
** From interpretation b) it would still be possible to derive logically all the other norms (e.g. of the Decalogue) – of course, only with the help of quite a number of additional premises and definitions.

Thursday, September 15, 2011

Christen ohne Gotteshypothese

Lehrer, welches ist das größte Gebot im Gesetz? Er aber sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand." Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
(Mt 22, 36-40)


Wie sicherlich einigen bekannt, beantwortete der Lehrer im biblischen Neuen Testament die Frage nach der wichtigsten moralischen Norm recht zweideutig: mit einer Numerierung und mit einer Gleichsetzung. Das Gottesgebot erhielt Platz 1, das Liebesgebot Platz 2; andererseits sei das letztere gleich dem ersteren, also doch beide exaequo Platz 1? In den Schriften von Markus (10, 17) und Lukas (10,25 – 28) liest es sich nicht so, dort ist schon die Fragestellung anders. Und bei Johannes findet sich diese Idee von der Quintessenz des Christentums gar nicht mehr. Und doch kann sie einen auf den interessanten Gedanken eines christlichen Glaubens ohne Gotteshypothese bringen.

Eine Unmenge von Interpretationen bietet sich an. Hier seinen zwei exemplarisch erwähnt, wobei wir eine Definition von 'Liebe' außer Acht lassen.

a) Die Numerierung deutet an, daß die Gottesliebe priorisiert wird: Gott zu lieben ist wichtiger, als die Mitmenschen zu lieben (das kennt man aus Erfahrung im Umgang mit Christen). Zusätzlich kommt man im Christentum im wesentlichen mit den zwei genannten Geboten aus. Die restlichen Normen sind aus diesen – natürlich unter Zuhilfenahme etlicher Zusatzprämissen – logisch ableitbar: „An diesen zwei Geboten hängt (logisch) das ganze Gesetz und die Propheten“.

b) Angenommen man nimmt aber die Gleichsetzung beider Gebote ernst – im Sinne einer logischen Äquivalenz - ohne Priorisierung – was dann? Man erinnere sich, daß eine logische Äquivalenz zweier Handlungen A↔B auch die daraus gebildete Äquivalenz der Normen O(A) ↔ O(B)* impliziert. D.h. falls jemand der Auffassung ist, daß (A) den Nächsten zu lieben wie sich selbst dasselbe bedeutet (oder logisch äquivalent ist) wie (B) Gott zu lieben, dann müsste er rationalerweise auch die Konsequenz akzeptieren, daß die beiden entsprechenden Normen auf dasselbe hinauslaufen. Das hätte wiederum weitreichende Folgen. Denn was auch immer eine Person von der Existenz von Göttern hielte, durch die Liebe zum Nächsten würde – aufgrund dieser Gleichsetzung – automatisch Gott geliebt werden (und umgekehrt).** Andere Stellen im Neuen Testament deuten in dieselbe Richtung, nach Mt 25:40 wird die Liebe zum Nächsten auf geheimnisvolle Weise automatisch auf den „Menschensohn“ übertragen und stellt eine hinreichende Qualifikation für die Aufnahme in den christlichen Himmel dar.

Hätte sich die Welt günstiger, weniger tragisch entwickeln können, wenn die Christen sich nicht so stur auf die Existenz eines Schöpfergottes verlegt hätten; wenn die Quintessenz des Christentums statt dessen anders gelesen worden wäre? (Wenigstens Intelligent Design wäre uns möglicherweise erspart geblieben.)

Rosa Charles Darwin, from mcgardens.org





* 'O' bezeichnet üblicherweise den Operator 'ist geboten, daß ...'; sei 'A' eine Abkürzung für irgende einen Satz, der eine Handlung beschreibt. Dann wird 'O(A)' gelesen wie 'es ist geboten, daß A'.
** Aus Interpretation b) wären natürlich immer noch die übrigen Gebote und Normen (etwa des Dekalogs) logisch ableitbar – unter Zuhilfenahme etlicher Zusatzprämissen und Definitionen.

Tuesday, July 12, 2011

200

"Pressefreiheit ist die Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Journalisten, die diese Meinung teilen, finden sie immer."(1965)


Dies ist ein Zitat des Nazipropagandisten Paul Sethe, einem der fünf Gründungsherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zwischen 1949 und 1955 und wird heute im österreichischen „Standard“ von Paul Lendvai zitiert, einem Granden des österreichischen Journalismus und Spezialisten für Osteuropa. Anläßlich des Abhörskandals eines der Blätter Rupert Murdochs berichtet er über „Medien und Macht“ und verliert ein paar kryptische Bemerkungen über „mächtige ausländische Mediengruppen, vor allem aus Deutschland und der Schweiz“, die „in den postkommunistischen Reformstaaten Mittel- und Osteuropas wegen Profitmaximierung zuerst mit exkommunistischen Seilschaften, aber auch mit machthungrigen nationalistischen und radikalen politischen Gruppen paktiert“ hätten. Er nennt tatsächlich keine Namen oder sonstige Details und das mag seine Gründe haben.




„Freedom of the press is the freedom of two hundred rich people to spread their opinions. And they can always find journalists sharing their opinions.“ (1965)


This was said by Nazi-propagandist Paul Sethe, one of the five founding editors of the „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ between 1949 and 1955. The quotation appeared today in the Austrian journal „Standard“, at the beginning of an article by Paul Lendvai, a dyed-in-the-wool politicial journalist of Austria, specialist for Eastern Europe. On occasion of the phone-hacking scandal of one of Rupert Murdoch's papers, he wrote on „Media and Power“ and made a few cryptical remarks on „powerful foreign media-groups, especially from Germany and Switzerland“ which „in the post-communistic reform countries - motivated by profit maximization - had made first their pacts with ex-communistic cliques, but also with power-hungry nationalistic and radical political bands“. He didn't mention any names or other details and he might have his reasons.  



Sunday, July 3, 2011

Der "deutsche Blick" ging nach Amerika (The "German Glance" came to America)

"Wer heute die Ära Bush als eine Phase finsterer Spionitis und bedrohlicher Einschränkung bürgerlicher Freiheiten kritisiert, der hat keine Ahnung von dem bleiernen Klima der Verdächtigung und Verleumdung, das sich im Zeichen des McCarthyismus auf Amerika gelegt hatte. Zu jener Zeit verließ Thomas Mann fluchtartig die Neue Welt, um sich in die Schweiz zurückzuziehen. Viele jüdische Intellektuelle wurden der Neigung zum Marxismus-Leninismus bezichtigt. Es kam in New York zu zahlreichen Selbstmorden inkriminierter "Liberaler", ein Wort, das - wie heute gelegentlich wieder - einen negativen Beigeschmack erhielt. Bei meinen Treffen mit unkonventionellen Kollegen in Bars oder Restaurants drehten sie sich immer wieder vorsichtig um. Sie überprüften, wer wohl am Nachbartisch zuhören könnte. Im Dritten Reich hatte man das den "deutschen Blick" genannt. Die Schnüffler des FBI waren oft an Kleidung und Statur zu erkennen."
Scholl-Latour, Peter: Koloss auf tönernen Füßen. Ullstein, 4. Auflage, Berlin 2007, S.166.


"Everybody criticizing today the Bush era as a time of sinister spionitis* and threatening restriction of citizen rights has no idea of the depressing atmosphere of suspicion and defamation in America under the banner of McCarthyism. At that time, Thomas Mann skipped the New World to back down in Switzerland. Many Jewish intellectuals had been accused of a tendency towards Marxism-Leninism. In New York, there was a considerable number of suicides of incriminated "liberals" - a word then receiving a negative flavor - like sometimes these days. When I met my unconventional friends in bars or restaurants, they used to turn around and look back cautiously. They were checking who at the next table would listen. In the Third Reich we called it the "German glance". One could detect the FBI snoopers in their clothing and build." [translation by base2014]

*Spionitis (German): the excessive (mutual) monitoring of citizens (and visitors) by citizens evoked by governmental fearmongering concerning an invisible enemy.


You might be under observation! (Hitler, Magda and Joseph Goebbels)



Wednesday, June 15, 2011

The First Question in International Political Economy

"There are a number of more general questions that can be asked about the relationship between economics and politics at the international level. It is important to make them explicit because it is impossible to make progress in any line of enquiry unless we are clear about the questions we are asking. ‘What are the important questions?’ is perhaps the most important question a social scientist can ask. Among these general questions, the following have received considerable attention from specialists in the field of International Political Economy (IPE):
• Does an open, liberal, international economic order require a
hegemon to lay down and enforce the rules? That is, does the
efficient functioning of a liberal order depend on the existence
of a state with the power, resources and willingness to perform a
leadership or ‘policing’ role? [...]"

Economides, Spyros; Wilson, Peter: The Economic Factor In International Relations, I.B. Tauris, New York, 2001.

Tuesday, May 31, 2011

Chomsky On the Ongoing Arab Spring

"The U.S. and its allies will do anything they can to prevent authentic democracy in the Arab world. The reason is very simple. Across the region, an overwhelming majority of the population regards the United States as the main threat to their interests. In fact, opposition to U.S. policy is so high that a considerable majority think the region would be more secure if Iran had nuclear weapons. In Egypt, the most important country, that’s 80 percent. Similar figures elsewhere. There are some in the region who regard Iran as a threat—about 10 percent. Well, plainly, the U.S. and its allies are not going to want governments which are responsive to the will of the people. If that happens, not only will the U.S. not control the region, but it will be thrown out. So that’s obviously an intolerable result." Noam Chomsky in an interview for democracynow.org

The numbers mentioned by Chomsky may seem overdone at first sight, especially the 80% figure. But if you take a look at the annual survey performed by the Brookings Institute (http://www.brookings.edu), it becomes clear that he could have cited from this poll.


click here to download the whole 2010 Arab Public Opinion Poll in pdf format

Nevertheless, this 80% Egypts allegedly believing that the region would be better off if Iran possessed nuclear weapons cannot stem from this survey. According to the 2010 Brookings Poll, 35% of the interviewed answered that they believe Iran to conduct a nuclear program only for peaceful purposes, while 57% said it would be for developing nuclear weapons. The survey proceeds with the following results concerning each of these two subgroups:

click here to download the whole 2010 Arab Public Opinion Poll in pdf format


click here to download the whole 2010 Arab Public Opinion Poll in pdf format

So, if we add up finally there are 39.33% (peaceful) and 31.15 (weapons) = 70.48% of the interviewed saying that the Middle-East would be better off if Iran would have nuclear weapons. Not so much difference to Chomsky.

-------------------

"Die USA und deren Verbündete werden alles tun, um echte Demokratie in der arabischen Welt zu verhindern. Der Grund ist simpel: Überall in der Region glaubt die Mehrheit der Bevölkerung, dass die USA die größte Bedrohung für ihre Interessen sind. Die Opposition gegen die US-Politik ist so enorm, dass eine beträchtliche Mehrheit sogar der Meinung ist, die Region wäre sicherer, wenn der Iran im Besitz von Atomwaffen wäre. Im wichtigsten Land - Ägypten - glauben dies 80 Prozent. In anderen Ländern finden sich ähnliche Zahlen. Nur Wenige in der Region sehen im Iran eine Bedrohung - rund 10 Prozent. Es ist offensichtlich, dass die USA und deren Verbündete keine Regierungen wollen, die auf den Willen des Volkes hören, denn falls dies eintritt, werden die USA nicht nur die Kontrolle über diese Region verlieren sondern auch hinausbefördert werden. Natürlich wäre ein solches Resultat für sie intolerabel." [translation into German by Andrea Noll --> das ganze Interview hier]


Sunday, February 20, 2011

Strange Déjà-Vu


Man braucht über kein außerordentliches Maß an Empathie zu verfügen, um sich vorstellen zu können, daß die Frage "Glaubst du an Gott" bei manchen Menschen einen unmittelbaren Fluchtinstinkt auslöst.



"Wie hatte mir ein illusionsloser jüdischer Emigrant, der dem Dritten Reich entkommen war, in New York versichert: "Im deutschen Reich trugen die Soldaten den Spruch "Gott mit uns" auf dem Koppel ihrer Uniform. In Amerika findet man die nationale Devise "In God we trust" auf der Rückseite der Dollarnoten."Peter Scholl-Latour [2008], p.80, Houston, Mai 2007



Gürtelschnalle (Koppel) der Uniform der Deutschen Wehrmacht

Und wie fühlte sich wohl derselbe Immigrant bei näherer Betrachtung eines US-Sturmgewehres, das im Irak und Afghanistan zum Einsatz kommt, und Bibelverse eingraviert hat?

JN 8:12 = Johannes 8, 12 auf dem Zielfernrohr, hergestellt von der Firma Trijicon 


"Ich bin das Licht der Welt! 
Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln 
in der Finsternis!"  (Johannes 8:12)

Wie sinnig!

Friday, February 11, 2011

Friends of a Dictator

The U.S. has an overwhelmingly powerful role there. Egypt is the second-largest recipient over a long period of U.S. military and economic aid. Israel is first. Obama himself has been highly supportive of Mubarak. It’s worth remembering that on his way to that famous speech in Cairo, which was supposed to be a conciliatory speech towards the Arab world, he was asked by the press—I think it was the BBC—whether he was going to say anything about what they called Mubarak’s authoritarian government. And Obama said, no, he wouldn’t. He said, "I don’t like to use labels for folks. Mubarak is a good man. He has done good things. He has maintained stability. We will continue to support him. He is a friend." And so on. This is one of the most brutal dictators of the region, and how anyone could have taken Obama’s comments about human rights seriously after that is a bit of a mystery. But the support has been very powerful in diplomatic dimensions. Military—the planes flying over Tahrir Square are, of course, U.S. planes. The U.S. is the—has been the strongest, most solid, most important supporter of the regime. It’s not like Tunisia, where the main supporter was France. They’re the primary guilty party there. But in Egypt, it’s clearly the United States, and of course Israel. Israel is—of all the countries in the region, Israel, and I suppose Saudi Arabia, have been the most outspoken and supportive of the Mubarak regime. In fact, Israeli leaders were angry, at least expressed anger, that Obama hadn’t taken a stronger stand in support of their friend Mubarak.

From an interview with Noam Chomsky on Democracy Now!




Noam Chomsky
Die Rolle der USA ist unglaublich gewichtig. Ägypten ist das Land, das - nach Israel - die meiste amerikanische Militär- und Wirtschaftshilfe erhält und zwar schon sehr lange. Obama hat Mubarak auch persönlich massiv unterstützt. Man sollte nicht vergessen, dass Obama auf dem Weg nach Kairo, wo er seine berühmte angebliche "Versöhnungsrede" an die arabische Welt hielt, von der Presse gefragt wurde (ich glaube, es war die BBC), ob er auch etwas über die 'autoritäre Regierung Mubarak' (so deren Worte) sagen werde. Obama verneinte dies. Er sagte: "Ich mag es nicht, wenn man Leuten Etiketten verpasst. Mubarak ist ein guter Mann. Er hat gute Dinge getan.  Er hat die Stabilität aufrechterhalten. Wir werden ihn weiter unterstützen. Er ist ein Freund." Und so weiter. Dabei ist er (Mubarak) einer der brutalsten Diktatoren in der Region. Es wirkte schon ein wenig seltsam, wie manche Leute Obamas Kommentare zum Thema Menschenrechte danach noch ernstnehmen konnten. In diplomatischer Hinsicht war die Unterstützung (für Mubarak) sehr wirkungsvoll. Zum militärischen Bereich ist zu sagen, dass es sich bei den Flugzeugen, die über den Tahrir-Platz (in Kairo) fliegen, natürlich um amerikanische Flugzeuge handelt. Die USA sind - und waren - der mächtigste, konstanteste und wichtigste Unterstützer dieses Regimes. Mit Tunesien kann man das nicht vergleichen. Hauptunterstützer Tunesiens war Frankreich. Es trägt in diesem Fall die Hauptschuld. Im Falle Ägyptens allerdings ist Amerika, ganz klar, der Hauptschuldige - und natürlich Israel. Von allen Ländern in der Region hat Israel - und ich glaube Saudi-Arabien - das Mubarak-Regime am unverbrämtesten unterstützt. Die Führer Israels waren wütend - zumindest gaben sie sich wütend -, weil Obama sich nicht stärker für ihren Freund Mubarak eingesetzt hat.



Thursday, February 10, 2011

Egypt Uprising - Standard Routine for an Unusual Event


„The United States, so far, is essentially following the usual playbook. I mean, there have been many times when some favored dictator has lost control or is in danger of losing control. There’s a kind of a standard routine—Marcos, Duvalier, Ceausescu, strongly supported by the United States and Britain, Suharto: keep supporting them as long as possible; then, when it becomes unsustainable—typically, say, if the army shifts sides—switch 180 degrees, claim to have been on the side of the people all along, erase the past, and then make whatever moves are possible to restore the old system under new names. That succeeds or fails depending on the circumstances.“

From an interview with Noam Chomsky on Democracy Now!



Noam Chomsky


„Die USA halten sich bislang an das übliche Drehbuch. Ich meine, es ist schon häufiger vorgekommen, dass ein von den USA favorisierter Diktator die Kontrolle verloren hat oder in Gefahr geriet, sie zu verlieren. Es gibt da eine gewisse routinemäßige Standardvorgehensweise - siehe Marcos (Philippinen), Duvalier (Haiti), Ceausecu (Rumänien) oder Suharto in Indonesien/Osttimor (der von den USA und Großbritannien massiv unterstützt wurde). Diese routinemäßige Standardvorgehensweise lautet: Unterstützt sie, solange es geht. Wenn es sich nicht mehr lohnt (typischer Weise ist das der Fall, wenn die Armee die Seiten wechselt), dreht euch um 180 Grad und behauptet, ihr hättet schon immer aufseiten des Volkes gestanden. Vergesst die Vergangenheit und unternehmt alle möglichen Schritte, um das alte System, unter neuer Bezeichnung, wiedereinzuführen. Ob das gelingt, hängt von den jeweiligen Umständen ab.“

Thursday, January 27, 2011

Deutsche Gotteslästerung/German Blasphemy


Imperialer Abgesang

"Unser Schicksal heißt Amerika. Deshalb ist die Mutmaßung darüber, ob die USA den Höhepunkt ihrer Weltgeltung überschritten haben und nunmehr den unerbittlichen Gesetzen von "decline and fall" ausgeliefert sind, keine unziemliche Dreistigkeit. In den Medien der Vereinigten Staaten, mehr noch in den dort erscheinenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen, wird diese Frage längst leidenschaftlich diskutiert. In Deutschland hingegen klingt sie bei den meisten Politikern und Publizisten wie Gotteslästerung."
Peter Scholl-Latour [2008], Washington, April 2007

Imperial Farewell
"The name of our fate is America. That is why the conjecture about the USA having topped out their international standing and as of now being subjected to the merciless law of decline and fall is no unfitting impertinence. By now, this question is passionately discussed in the media of the United States and even more in scientific publications there. However, for most of the politicians and commentators in Germany this conjecture sounds like blasphemy." [translation by base2014]
Peter Scholl-Latour [2008], Washington, April 2007  

Tuesday, December 7, 2010

Guns-to-Caviar Index / Kaviar-Kanonen-Index

[The Guns-to-Caviar Index] „tracks the sales of fighter jets (guns) and executive jets (caviar). For seventeen years, it consistently found that when fighter jets were selling briskly, sales of luxury executive jets went down and vice versa: when executive jet sales were on the rise, fighter jet sales dipped. Of course, a handful of war profiteers always managed to get rich from selling guns, but they were economically insignificant. It was a truism of the contemporary market that you couldn't have booming economic growth in the midst of violence and instability.
But that truism is no longer true. Since 2003, the year of the Iraq invasion, the index found that spending has been going up on both fighter jets and executive jets rapidly and simultaneously, which means that the world is becoming less peaceful while accumulating significantly more profit. The
galloping economic growth in China and India played a part in the increased demand for luxury items, but so did the expansion of the narrow military-industrial complex into the sprawling disaster capitalism complex. Today, global instability does not just benefit a small group of arms dealers; it generates huge profits for the high-tech security sector, for heavy construction, for private health care companies treating wounded soldiers, for the oil and gas sectors—and of course for defense contractors.“

Naomi Klein, The Shock Doctrine, Chapter 21: Loosing the Peace Incentive

[Der Kanonen-Kaviar-Index] „vergleicht die Verkaufszahlen von Kampf-flugzeugen (Kanonen) mit denen von Firmenjets (Kaviar). 17 Jahre lang zeigte sich zuverlässig die Gesetzmäßigkeit, dass die Zahl der verkauften Firmenjets deutlich nach unten ging, wenn Kampfflugzeuge Konjunktur hatten. Und umgekehrt: Wenn die Verkäufe von Firmenjets zunahmen, sackten die Umsätze bei Kampfflugzeugen ab. Natürlich schafften es  einige Kriegsgewinnler immer, mit dem Verkauf von Kanonen reich zu werden, aber die fielen volkswirtschaftlich nicht ins Gewicht. Es galt als Binsenweisheit der zeitgenössischen Wirtschaft, dass es in Zeiten von Gewalt und Instabilität kein nachhaltiges Wachstum geben könne.
Doch diese Binsenweisheit trifft nicht mehr zu. Seit 2003, dem Jahr des Einmarsches im Irak, zeigt der Index, dass sowohl bei Kampfflugzeugen als auch bei Firmenjets die Umsätze rapide und simultan gestiegen sind, was bedeutet, dass die Welt kriegerischer geworden ist und zugleich erheblich mehr Profite angehäuft werden. Zur größeren Nachfrage bei Luxusartikeln hat nicht nur das sprunghafte Wirtschaftswachstum in China und Indien beigetragen, sondern auch die Ausweitung des begrenzten militärisch-industriellen Komplexes zum blühenden Katastrophen-Kapitalismus-Komplex. Die weltweite Instabilität kommt heute nicht nur einer kleinen Gruppe von Waffenhändlern zugute, sie generiert auch riesige Profite auf dem Hightech-Sicherheitssektor, im Bereich Großbauwerke, für private medizinische Unternehmen, die verwundete Soldaten behandeln, in der Erdöl- und Erdgasbranche – und natürlich für militärische Dienstleistungen.“

Naomi Klein, Die Schock-Strategie, p.598f

Wednesday, December 1, 2010

Hegemony Cables


Ein für deutsche Verhältnisse überraschend offenes Wort von Spiegel-Korrespondent Hans Hoyng (Schlusssatz im Video):
„Es gibt keinen Winkel dieser Erde, den die Supermacht USA nicht ausleuchten.“

A surprisingly open statement done by Spiegel-correspondent Hans Hoyng (final remark of the video):
„There is no last remaining corner of this world not under focus of the superpower USA.“

Saturday, November 27, 2010

"Nervenkrieg" - Weichgekocht durch Propaganda


Der Sommer 1939 ist heiß in ganz Europa. Während sich tausende Deutsche im KdF-Urlaub vergnügen und die Stimmung in der Bevölkerung - wenigstens an der Oberfläche - entspannt ist, geht in anderen Teilen Europas die Angst um, besonders in Polen. Die Goebbelsche Propagandamaschinerie läuft schon monatelang auf Hochtouren. Das Thema: Danzig. Viele Polen bereiten sich schon auf den Krieg vor. Sie erwarten den Krieg. Und, getäuscht durch die staatseigene Propaganda, glauben viele, die Deutschen besiegen zu können, selbst nach dem Hitler-Stalin Pakt.

Ein Aspekt erfolgreicher Propaganda liegt in der schier endlosen Wiederholung eines Themas. Die Rezipienten werden weichgekocht, nicht unähnlich einer Gehirnwäsche. Schließlich erhoffen sie sich das anfangs noch Undenkbare/Untolerierbare. Heute wird man über Jahre hinweg mit Meldungen von (möglichen) Massenvernichtungswaffen (Irak, Iran) und über die "Gefahr des weltweiten Terrors" bombardiert, gestern war es die "freie Stadt Danzig": "Danzig ist deutsch ... war deutsch ... und wird deutsch bleiben". Zum Schluß sind alle bereit.

„Das Wichtigste war die nervöse Erwartung des Krieges, ja eigentlich nicht nur „Erwartung“, sondern die Sehnsucht nach dem Krieg. Man wollte, daß dieser kalte Krieg, der sich "Nervenkrieg" damals nannte, nun endlich vorbeigeht. Wir wurden gewarnt von klugen Leuten: „Ihr werdet Euch noch nach diesem „Nervenkrieg“ sehnen. Ihr werdet sehen, was da kommen wird.“ Die allgemeine Stimmung: „erregt“, „nervös“ und tief überzeugt waren alle: „Die Deutschen werden diesen Krieg verlieren.““ Marcel Reich-Ranicki, damals 19 Jahre alt in Polen (Teil 5/6, 06:47)

„The most important thing was the nervous anticipation of the war, well, actually not only „anticipation“ but the craving for the war. One had the desire that this cold war, which was called „war of nerves“ back then, finally would end. We were warned by smart people: „You will soon yearn for this war of nerves. You will see what will come there.“ The common mood: „excited“, „nervous“, and all were deeply convinced: „The Germans will loose this war.““ Marcel Reich-Ranicki in Poland, then 19 years old (Part 5/6, 06:47)

Der Sommer 1939 (alle 6 Teile auf http://www.dokus4.me)
Interviewpartner:  „Literaturpapst“ Marcel Reich-Ranicki, die Regisseure Andrzej Wajda und Mario Monicelli, die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich-Nielsen, Schriftsteller Pavel Kohout, Madeleine Riffaud und Hans Keilson, der TV-Komiker Denis Norden, die russisch-deutsche Chemikerin Elena Strum und der Politiker und Historiker Wladyslaw Bartoszewski.

Monday, October 25, 2010

Unasked Anwers, Unanswered Questions



"Unser Kopf ist ein Kübel. Er hat Löcher, und bei den Löchern fließt die Information von der Welt hinein. Das ist auch die Grundtheorie der Pädagogik. Die Trichtertheorie ist dann die Theorie des Lehrprozesses. Der Kübel bekommt noch extra einen Trichter aufgesetzt, und dort gießt man dann das Wissen hinein. Das ist die übliche Theorie. Tatsache ist, daß unsere Pädagogik darin besteht, daß man die Kinder mit Antworten überhäuft, ohne daß sie Fragen gestellt haben, und auf die Fragen, die sie stellen, hört man nicht. [...] Das ist die gewöhnliche Pädagogik: Ungefragte Antworten und unbeantwortete Fragen. (Zustimmung im Auditorium.) Darin besteht im wesentlichen unsere Pädagogik. Es ist aber so, daß alle Organismen, nicht nur der Mensch, sondern alle Organismen, dauernd an die Welt Fragen stellen und dauernd Probleme zu lösen versuchen."

Karl Popper, Vienna, May 1983 (cf. Popper/Lorenz [1985], p. 52f)


Unasked Anwers, Unanswered Questions

Our head is a bucket. It has holes and through the holes information from the world flows into it. That is the basic theory of education. Accordingly, the cone theory is the theory of the learning process. In addition, the bucket gets a cone put on top and then knowledge is poured into it. That's the usual theory. It's a fact that our education consists in bombarding children with answers without them having asked questions, but not in listening to their questions. [...] That's ordinary education: unasked answers and unanswered questions. (Affirmation in the audience.) That's what our education essentially consists of. Nevertheless, all organisms, not humans only, but all organisms pose questions to the world all the time and all the time they try to solve problems. (tranlation by base2014)

Sunday, October 24, 2010

The Modest Gardener

"Ich möchte zuletzt noch einmal sagen: Versuchen Sie, die Welt als das anzusehen, als was man sie sicher ansehen kann: als einen wunderschönen Platz, den wir wie einen Garten noch verbessern und kultivieren können. Versuchen Sie dabei die Bescheidenheit eines erfahrenen Gärtners anzuwenden, eines erfahrenen Gärtners, der weiß, daß ihm viele seiner Versuche mißglücken werden."
Karl Popper, Vienna, May 1983 (cf. Popper/Lorenz [1985], p. 134)

Kaprun, 2009

"Finally I want to repeat: Try to look at the world as something as which one certainly can see it: as a lovely place which we still can improve and cultivate. Try to apply the modesty of an experienced gardener thereby, an experienced gardener who knows that many of his approaches will fail." (translation by base2014)

Friday, October 22, 2010

To Put Something Out of Your Body

"Alle Organismen stellen und lösen dauernd Probleme; und daher ist die Wissenschaft eigentlich nichts als eine Fortsetzung der Tätigkeit der niederen Organismen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Amöbe und Einstein, und das ist, daß Einstein seinen eigenen Problemlösungen kritisch gegenübersteht. Und das kann er nur, weil es eine Sprache gibt, eine menschliche Sprache, in der wir unsere Problemlösungen formulieren können. Damit stellen wir sie außerhalb unseres Körpers hin. So wie andere Werkzeuge, die wir geschaffen haben. Statt daß wir uns eine Drüse an die Fingerspitze wachsen lassen - eine Tintendrüse - und damit schreiben, schaffen wir eine Feder. Das ist es, was die Menschen von den Tieren unterscheidet." (emphasis by base2014)
Karl Popper, Vienna, May 1983 (cf. Popper/Lorenz [1985], p.53)


"All organisms constantly pose questions and solve problems; and that's why sience is actually nothing but a continuation of activities of the lower organisms. There is a big difference between the amoeba and Einstein, and that is that Einstein faces critically his problem solutions. And he only can do that because there is language, human language, in which we can formulate our problem solutions. Thereby we put them outside of our body. Just like other tools which we created. Instead of letting grow a gland on the tip of our finger - an ink gland - and writing with it, we create a pen. This is what man distinguishes from animal." (emphasis by base2014)

Tuesday, October 19, 2010

Unhappy Teachers

Die Schule verbessern: Unglückliche Lehrer loswerden

"Ich war unter den ersten Studenten im Wiener Pädagogischen Institut. Es war der erste Jahrgang, 1925-1927. [...] Ich war [...] ein begeisterter Schulreformer. Im Gegensatz zur Praxis der Schulreformer habe ich aber den Theorien der Schulreform immer mistraut und bin ihnen kritisch gegenübergestanden. Ich habe damals darüber nachgedacht, was das Wichtigste an der Schulreform wäre. Wie kann man wirklich die Schule reformieren? Indem ich damals über meine eigenen Erfahrungen als junger Lehrer an schlechten Schulen nachgedacht habe, bin ich draufgekommen, daß es das Wichtigste ist, schlechten Lehrern in der Schule die Möglichkeit zu schaffen, die Schule zu verlassen. (Zustimmung im Auditorium.) Ich habe gesehen, daß nur Menschen, die eine gewisse Begabung haben - es ist keine eigentlich intellektuelle Begabung, es ist eine innere Beziehung zu Kindern -, gute Lehrer sein können. Und sehr viele Lehrer werden sozusagen von der Schule eingefangen, sind dort unglücklich und können nicht heraus. Ich habe einen ganz einfachen Vorschlag gemacht: Man muß diesen Menschen, die auch nicht schlechter sind als andere, goldene Brücken bauen, damit sie herauskönnen; dann kommen an ihrer Stelle wieder junge Leute, die zum Teil geborene Lehrer sind. Solange viele Lehrer verbitterte Lehrer sind, verbittern sie die Kinder und machen die Kinder unglücklich. Sie bleiben in der Schule bis zu ihrer Pensionierung und atmen auf, wenn sie eine Pension bekommen. Solange in der Schule verbitterte Lehrer sind, und zwar viele verbitterte Lehrer, die aus begreiflichen Gründen die Kinder terrorisieren, auch deshalb, weil sie von ihren Vorgesetzten, zum Beispiel von Schulinspektoren, eingeschüchtert werden, solange kann die Schule nicht besser werden."

Karl R. Popper, Vienna, May 1983 (cf. Popper/Lorenz [1985])


Sir Karl Popper


Improve School: Get Rid of Unhappy Teachers

"I was among the first students of the Vienna Pädagogisches Institut (University of Education), the first two years 1925-1927 of the school. [...] I was an enthusiastic  school reformer. But in contrast to the praxis of the school reform I have always  taken a critical stance towards the theories of the school reform and have distrusted them. At that time I was thinking about what would be the most important thing about the school reform. How can you really reform school? By thinking about my own experiences as young teacher on bad schools, I realized that it would be the most important thing to give bad teachers in school the possibility to leave school. (Affirmation from the audience). I noticed that only persons with a certain talent - it's not a genuine intellectual talent, it's about having a good rapport to children - can be good teachers. And many teachers are - so to say - caught by school and feel miserable there and cannot get out. I made a very simpe suggestion: We have to smooth the way for these people which are not worse than others either, so that they can get out; subsequently other young people will come and take their place, some of them born teachers. As long as many teachers are embittered teachers, they will embitter the children and make them unhappy. They stay in school until their retirement and breathe a sigh of relief when they start receiving their retirement pay. As long as there are embittered teachers in school, in fact many embittered teachers, which - due to comprehensible reasons -  terrorize children, also because they are intimidated by their supervisors, school inspectors for example, school cannot get better." (translation by base2014)

Thursday, October 7, 2010

The True Culprits of War

"The true culprits are those who mislead public opinion and take advantage of the people's ignorance to raise disquieting rumors and sound the alarm bell, inciting their country and consequently other countries into enmity. The real culprits are those who by interest or inclination, declaring constantly that war is inevitable, end by making it so, asserting that they are powerless to prevent it. The real culprits are those who sacrifice the general interest to their own personal interest which they so little understand, and who hold up to their country a sterile policy of conflict and reprisals. In reality there is no salvation, no way out either for small states or for great countries except by union and conciliation."
Paul Henri Benjamin Balluet, Baron d'Estournelles de Constant de Rebecque, Senator of the Carnegie Endowment for International Peace, introduction to the Report to Inquire into the Causes and Conduct of the Balkan Wars, 1914.


"Die wahren Schuldigen sind jene, die die öffentliche Meinung in die Irre führen, Vorteil aus der Unwissenheit ihrer Landsleute ziehen, Gerüchte streuen und falschen Alarm schlagen, ihr Land in Aufruhr bringen und als Folge davon Feindseligkeiten in anderen Ländern schüren. Die wahren Schuldigen sind jene, die aus Interesse oder weil es ihr Naturell ist, den Krieg ständig für unvermeidbar erklären, und indem sie dafür sorgen, daß er tatsächlich unausweichlich wird, zugleich behaupten, es stünde nicht in ihrer Macht, ihn zu verhindern. Die wahren Schuldigen sind jene, die das allgemeine Wohl ihrem persönlichen Wohl opfern, das sie gar nicht wirklich kennen, und ihr Land mit einer unproduktiven, auf Konflikt und Unterdrückung bauenden Politik führen. In Wirklichkeit gibt es aber kein anderes Heil, keinen anderen Ausweg für kleine noch für große Länder als das Bündnis und die Versöhnung."