Friday, April 20, 2012

Über die allgegenwärtige Kriegstreiberei in den Massenmedien


Der Kommentar des Historikers Kurt Gritsch im österreichischen Standard über die auffallend systematisch und einheitlich wirkende Kriegstreiberei im Infotainment.


Sind bürgerliche Qualitätszeitungen Kriegshetzer? Medienkritik aus Sicht eines Konfliktforschers

"[...] wussten Sie, dass das Assad-Regime 2011 mit Reformen begonnen hat? Dass der seit 1963 geltende Ausnahmezustand aufgehoben, Gefangene freigelassen, korrupte Gouverneure abgesetzt und die alleinigen Herrschaftsansprüche der Regierungspartei aufgegeben wurden? Wo stand zu lesen, dass Teile der innersyrischen Opposition einen Machtkompromiss mit Assad einzugehen bereit sind, während die u. a. von den USA mit Geld unterstützte Exil-opposition zu keinem Entgegenkommen bereit ist?"

Base2014 Kommentar: Nein, wußten wir nicht.
Was will man aber erwarten, wenn Information zu einem reinen Geschäft geworden ist, das in erster Linie dem Gedanken der Gewinnmaximierung unterworfen ist? Das Personal der Redaktionen wird gekürzt und journalistische Arbeitsabläufe kostengünstig optimiert, indem man sich darauf beschränkt unkritisch die Beiträge von Lieferanten zu adaptieren (Presse- und PR Agenturen), die wiederum selbst von wirtschaftlichen Interessen geleitet sind. Das Resultat ist ein Copy & Paste Journalismus, bei dem die Qualität (respektive die Wahrheit) keine Rolle mehr spielt. Teuere Auslandskorrespondenten will man sich kaum noch leisten und so erhält man Kriegsberichterstattung ohne Kriegsberichterstatter, oder im Falle der USA - Kriegsberichterstattung durch sog. "eingebettete Journalisten" - was auf dasselbe hinausläuft. Echte "war correspondents" wie Scholl-Latour, Robert Fisk oder John Pilger sind eine aussterbende Gattung. So erklärt sich die einheitliche Berichterstattung. Ob dahinter eine - von wem auch immer ausgeheckte und kontrollierte  - Strategie steckt, ist eine ganz andere Frage. Wahrscheinlich nicht, denn Krieg verkauft sich von alleine gut, viel besser als Friede, Freude und Eierkuchen. Und so entsteht und floriert die Kriegstreiberei aufgrund einer unheiligen Allianz zwischen den jeweils gewinnorientierten Interessen von Medienkonzernen und Eisenhowers "militärisch-industriellen Komplex", unter kräftiger Mitwirkung von nationalen Regierungen und privaten Interessensverbänden. (Der Grad an Einfluß der genannten Mitspieler mag von Fall zu Fall variieren.)

Thursday, April 19, 2012

Über Jahrhunderte hinweg immunisiert gegen jegliche Kritik



"Eine altgediente Religion hat im Verlauf ihrer Geschichte so viel Kritik erfahren und ertragen, daß alle überhaupt denkbaren Argumentations-figuren mit Sicherheit schon mehrfach benützt worden sind. Das gilt besonders für das Christentum; es gibt eine reichhaltige Palette antichristlicher Argumente - für den Kenner ist hier wahrscheinlich nichts Neues mehr zu erwarten. Und doch hat scheinbar keines davon eine nachhaltige Erschütterung dieser Religion bewirkt, keines liefert die eine, endgültige, zwingende Widerlegung, von der Atheisten oder Anhänger einer anderen Religion geträumt haben mögen.
Hubert Schleichert
Hubert Schleichert

Wie kommt es, daß eine Religion, die sich durch Jahrhunderte mit einer Fülle schwerster Kritik konfrontiert sehen mußte, nicht unter der Last der Angriffe zusammengebrochen ist? Vom logischen Gesichtspunkt aus ist die Unempfindlichkeit einer Ideologie gegen Kritik nicht erstaunlich. So, wie es keine konklusiven Argumente dafür gibt, gibt es eben auch keine dagegen. Wie die Argumente gegen die Wahrheit der Religion auch lauten mögen, ein routinierter Theologe weiß auf alles eine Antwort: Dies folgt aus der Struktur einer Religion, jeder Religion. Es gibt für das Argumentieren logisch keine Beschränkungen und Grenzen mehr, sobald Unfaßbares, Unverständliches, Widersprüchliches oder einfach der Glaube als Elemente der Argumentation zugelassen werden, wenn man sich von der Erfahrung abgekoppelt hat, wenn Texte je nach Bedarf wörtlich oder allegorisch, symbolisch oder auf welche Weise sonst noch interpretiert werden dürfen etc."
Hubert Schleichert in [2004, Kapitel 10 (Epilog), S.169f]



Get Outta Here!!!

Holy Crap!


Israel forces tourist to pledge to avoid pro-Palestinian activities as condition for entry


Wednesday, April 18, 2012

Abseits des deutschen Infotainments


"Die Existenz Israels wird aber nicht durch die (potentielle) iranische Atombombe bedroht – es gibt keinen Grund anzunehmen, dass der Mullah-Staat sie gegen Israel einsetzen würde, wenn er nicht das Risiko eingehen möchte, innerhalb weniger Tage selbst in Schutt und Asche gelegt zu werden." Moshe Zuckermann

"Sowohl die USA als auch Israel vertreten hier kurzsichtig ihre Interessen, und die EU spielt leider mit. Die USA wollen im ölreichen Nahen Osten nur wohlgesinnte Regimes – und sie möchten den Fehler wettmachen, dass sie mit ihrem Irak-Krieg dem Iran mehr Einfluss verschafften. Aber was ist am Iran schlechter als an Pakistan oder Saudi-Arabien? Hat der Iran kein Recht auf ökonomische und politische Entfaltung? Ahmadinedschads Rechtfertigung für seine verbalen Ausfälle ist die schwärende Wunde des Unrechts Israels: 1948 Vertreibung der Palästinenser, ihre Enteignung und gewaltsame Verhinderung ihrer Rückkehr, heute ihre Diskriminierung in Israel, ihre Rechtlosigkeit in der Westbank, ihre Einkesselung in Gaza. Israel möchte von diesem Unrecht nicht reden und setzt sich stattdessen als Opfer einer hypothetischen künftigen iranischen Atombombe in Szene. Ist dieser Themenwechsel nicht sehr willkommen?" Rolf Verleger

"Wann wird Deutschland aufwachen und verstehen, dass es diesmal bedeutet, „auf der Seite der Juden zu stehen“, jene zu unterstützen, die gegen Israels Regierung kämpfen."  Yonatan Shapira

Weitere Kommentare: http://www.hintergrund.de

Aufgepaßt, Deutsche! Die Amerikaner mögen Euch!


Und Ihr mögt die Amerikaner und ihren Präsidenten, habt Ihr das gewußt? Der Online-Spiegel schaltet wieder einmal eine ungekennzeichnete Werbung, und so liest man heute in seinen Headlines: 



Dabei handelt es sich um eine Replik auf die letztes Jahr erschienene Anbiederung des umtriebigen GMF



Aufgepaßt, man achte auf die vielsagenden Fragestellungen in beiden Umfragen! Das Beste an diesen Werbeschaltungen sind ohnehin die Leserkommentare ...



Die Illusion von der Bombe, die Israel bedroht


Man braucht nicht mehr als drei Annahmen um plausibel zu machen, daß die Idee eines nuklearen Angriffs auf Israel pure Illusion ist.

Nehmen wir an, daß

1) Wenn zwei verfeindete Staaten über einsatzbereite, hinreichend gefährliche Nuklearbewaffnung sowie die Fähigkeit zu einem effektiven nuklearen Zweitschlag verfügen, werden sie keinen Erstschlag mit diesen Waffen gegeneinander führen. (Prinzip der nuklearen Abschreckung)

2) Israel verfügt über einsatzbereite, hinreichend gefährliche Nuklearbewaffnung sowie die Fähigkeit zu einem effektiven nuklearen Zweitschlag (zu Wasser und zu Lande).

3) Iran verfügt über einsatzbereite, hinreichend gefährliche Nuklearbewaffnung sowie die Fähigkeit zu einem effektiven nuklearen Zweitschlag (zu Wasser und zu Lande).

Daraus können wir schließen, daß, selbst wenn der Iran eines Tages über nukleare Bewaffnung verfügen sollte, die beiden Staaten Israel und Iran sich unter den genannten Voraussetzungen nicht gegenseitig mit Nuklearwaffen attackieren werden. Mit anderen Worten, solange das Prinzip der nuklearen Abschreckung angenommen wird - und es ist schwer zu sehen, warum es im mittleren Osten nicht anwendbar sein sollte - wird Israel von überhaupt niemandem in Reichweite seiner atomaren Sprengköpfe angegriffen werden. Schon allein aufgrund dieses simplen Arguments erscheint ein nuklearer Angriff auf Israel unwahrscheinlich.

Warum sollte also das Atomprogramm des Iran für Israel eine existenzielle Bedrohung darstellen, wie hartnäckig und monoton behauptet wird?

Werfen wir einen Blick auf eine Verschärfung der Situation und nehmen wir an, daß 2) nicht der Fall wäre, daß also Israel entweder über keine nukleare Bewaffnung oder nicht über die Kapazität für einen Zweitschlag verfügte. In diesem Fall käme die Logik des kalten Krieges 1) nicht mehr zur Anwendung, da einer der verfeindeten Staaten nicht über die vorausgesetzte nukleare Bewaffnung verfügt. Nehmen wir weiterhin 3) an, und zusätzlich, daß der Iran tatsächlich einen Angriff mit nuklearen Massenvernichtungswaffen auf Israel durchführt.

Was würde passieren?

Man sollte sich zunächst einmal darüber klar werden, daß dieses Szenario in sich völlig unplausibel ist. Wenn man voraussetzt, daß der Grund für einen Angriff auf das Land (die Fläche) Israel das von den iranischen Mullahs immer wieder bedrohlich kritisierte "zionistische Regime" Israels ist, das - so Teheran - eine Apartheids- und Expansionspolitik gegenüber den Palästinensern forciert, dann wird es letzteren wenig helfen, wenn das Land, das sie für sich beanspruchen (teilweise) nuklear verseucht wird. (Welchen Sinn sollte das haben? Man muß sich an dieser Stelle wirklich die Frage stellen, wie die Leute, die in der Öffentlichkeit die Angst vor einem Nuklearschlag verbreiten, sich diesen denn vorstellen? Eine "Megabombe", die Israel (und nicht auch gleich seine Nachbarn) tatsächlich von Landkarte radiert? Mini-Nukes? Ein "chirurgischer Nuklearangriff", der die Feinde tötet, aber die anwesenden (oder benachbarten) Freunde am Leben läßt? Der Jerusalem zerstört, aber alle sog. "heiligen moslemische Stätte" unversehrt läßt? Alles Fantastereien - wenn man nur einmal versuchen würde sich das genauer auszumalen.)
Ferner, warum sollten die schiitischen Mullahs, allesamt wohlhabende Geschäftsmänner mit Frauen und Kindern, ihr eigenes Wohlergehen und das ihres Landes aufs Spiel setzen? Für die sunnitischen Palästinenser? Wohl kaum. 
Abgesehen von der geringen Plausibilität eines iranischen Angriffs, was würde passieren? Der Iran wäre dem Untergang geweiht. Zwar haben wir hier vorausgesetzt, daß der Iran über die Fähigkeit des nuklearen Zweitschlages verfügt, die er neben Israel auch gegen andere Staaten einsetzen könnte, doch im Falle eines erfolgten Angriffes auf Israel, käme eine andere einfache Regel ins Spiel, nämlich die der Überzahl: der Iran, der jetzt schon - insbesondere in seiner unmittelbaren Nachbarschaft - weitgehend isoliert ist, sähe sich einer Überzahl an Feinden gegenüber, insbesondere der NATO, geführt von den USA und Europa. Schon für unvergleichlich geringere "Vergehen" wie solch einer hypothetischen Tragödie wurden Staaten von den USA heimgesucht, allein im letzten Jahrzehnt Afghanistan und der Irak, beides Länder, in denen bis heute das Chaos herrscht.

Ein nuklearer Angriff Irans auf Israel ist höchst unplausibel in einem Szenario, in welchem das Prinzip der nuklearen Abschreckung angewendet werden kann. Doch sogar wenn die Logik des kalten Krieges nicht angewendet wird und man dem Iran die Herstellung von nuklearen Waffen frei unterstellt - obwohl die klerikalen Führer des Iran dies aus religiösen dezidiert ausgeschlossen haben und es genauso viele Hinweise auf ein Atomwaffenprogramm gibt, wie im Irak dazumal (nämlich keine), selbst dann kann das Gerede von der Bedrohung der Existenz Israels durch einen nuklearen Iran nicht aufrechterhalten werden und schon gar nicht mit dem Hinweis auf den "Wipe off the map"-Sager eines Präsidenten, der nicht viel zu sagen hat im Regime der schiitischen Würdenträger.

Es ist sicherlich immer wieder frappierend zu sehen mit welcher Zähigkeit die Idee der iranischen Bombe im internationalen Massenmedien Infotainment unwidersprochen am Leben erhalten wird. Die viel plausibleren - geostrategischen, wirtschaftlichen und hegemonialen - Gründe in den Iran einzumarschieren gehen dabei unter. Zu diesen gehört auch der Einwand, das Zulassen der Produktion von nuklearen Sprengköpfen seitens des Irans könnte ein allgemeines Wettrüsten im ohnehin spannungsgeladenen mittleren Osten hervorrufen. Aber dieser Einwand hat zunächst einmal rein gar nichts mit der von allen Seiten beschworenen Bedrohung Israels durch den Iran zu tun. Das Problem der Verbreitung von Atomwaffen gibt es seit es Atomwaffen gibt und es beschäftigt vor allem jene Staaten, die sie schon im Besitz haben. 

Gibt es irgendeine Erklärung, warum diese Illusion von der Bombe immer weiter genährt wird?

Ja, es gibt eine durchaus einsichtige psychologische Erklärung. Die Logik der nuklearen Abschreckung kann nämlich suspendiert werden, indem man einen der Kontrahenten als Verrückten ansieht, als gefährlichen Irren, dem man keinesfalls so eine gefährliche Waffe wie die Bombe in die Hand geben darf. Das Prinzip der nuklearen Abschreckung setzt "rational agents" voraus. Irre sind aber nicht "rational agents".
Haben Sie sich selbst schon dabei ertappt, daß sie sich vorstellten, wie die "bärtigen Irren von Theheran" nervös mit der Bombe herumfuchteln? Wenn ja, woher kommt das? Zweifellos hat die nun schon jahrzehntelang andauernde Verunglimpfung der "Araber" (oder "Moslems") als unberechenbare, wilde, unzivilisierte und verschlagene Hinterwäldler dazu beigetragen, zusammen mit dem fast ununterbrochenen Strom an (echten und gefälschten) Meldungen über Anschläge des sog.  internationalen Terrorismus bishin zu den steinewerfenden Kindern der Intifada. All das suggeriert dem Gehirn das Bild von primitiven Kreaturen, denen es unmöglich ist mit einer Atomwaffe "ordnungsgemäß" umzugehen. Zusätzlich eignet sich Achmadinedschad nun wirklich vorzüglich für die Rolle des "Teufel vom Dienst" in einem an Kriegspropaganda so reichem Theaterstück (siehe Morellis Prinzipien der Kriegspropaganda). Dies sind die Ingredienzen der psychologischen Einflußnahme, die selbst jene, die diese Islamophobie kreiert haben und unermüdlich vorantreiben, schließlich dazu bringen an ihre eigenen Propagandalügen zu glauben.














Sunday, April 15, 2012

If the Iranians Really Want Something from Israel, What Is It exactly?



(50:00)
"Let's talk about the neo-cons. Who has done more damage to Israel than the neo-cons?"

(52:45)
"The American way is always "We don't talk to them!". You take the French on the other hand who have a back-channel to Teheran  right now as we speak. They always talk to their enemies, figure out what they want, see if they can give it and then - once they have decided on a policy in secret - they make it public. And that's what we need to do to Teheran. We really need to find out what they want, how far they're going on this nuclear bomb and what they need from Israel: is it the settlements in the West Bank, is it Israel's nuclear program, is it Lebanon? All these things can be worked out, I think, with the Iranians."

(54:00)
"They [Iran] are not a radical expanding power. They are a traditional state power which wants to be predominant in the Gulf. And they want to be predominant in the Gulf because they believe they have the biggest army, the rim of the Gulf is 90% Shia and they got certain demands."


(48:00)
"I think that we can look at the Iranians and look at the way they have acted in Iraq [...] - they are not suicidal. They're not Al'Qaeda, they don't wanna kill themselves, they could have done an enormous damage to us [...] but they didn't. We have to look at their recent record. We have to look at their record in Lebanon: in spite of the 2006 war they have stepped back from confrontation. They have stepped back from confrontation in Gaza [...]. So I see them as much more accommodating to a grand bargain than I would for instance the Taliban or Al'Qaeda or even huge parts of Saudi-Arabia - they just don't like us - there is a clash of civilizations there - there isn't with Iran. The Iranians are the only country in the Middle-East that really like us ... the Iranian people, not the regime."

These quotations of ex-CIA case officer in the Middle-East Robert Baer stem from a conversation in 2009, at a time when demonstrations against the clerical government took place in Teheran. Much of what Baer says represents a refreshing antidote to the world-wide mass media infotainment and war propaganda currently poisoning international politics. One of the striking questions asked in the video below is simply "What exactly do the Iranians want from Israel?" Note that this question is rarely asked in public debates and practically never by folks blinded by the notorious "wipe off the map" phrase and its endless repetitions.



Note also that in this video, Baer conjectures (at 46:25) that Iran's clerical regime might deliberately goad Israel into an attack on Iran in order to produce an "external threat/enemy", strengthening and confirming the Mullah's dominion inside Iran's not so stable power structure. This possibility has been only recently considered by others: see Former CIA Officials Say Iran’s Clerics Want to Goad Israel Into an Attack. (Sounds too adventurous though and too self-destructive)

see also: The Illusion of the Bomb Threatening the Existence of Israel